Sonntag, 2. Oktober 2011

Hacker kapern Yinglucks Twitter-Konto


Auch thailändische Hacker verstehen ihr Handwerk !

Hacker haben vorübergehend das Twitter-Konto von Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra übernommen. Sie überzogen die Politikerin mit beißendem Spott: "Wenn sie nicht einmal ihren eigenen Twitter-Account schützen kann, wie will sie dann dieses Land beschützen?"
Bangkok - Sie ist die erste Frau an der Regierungsspitze Thailands - und alles andere als unumstritten: Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra muss sich immer wieder der Kritik erwehren, nur eine Marionette ihres 2006 bei einem Militärputsch gestürzten Bruders Thaksin Shinawatra zu sein. Nun haben Hacker vorübergehend das Twitter-Konto der Politikerin gekapert.
Sie verschickten mindestens acht Nachrichten in ihrem Namen. Darin warfen sie dem Kabinett der Politikerin Inkompetenz und Vetternwirtschaft vor. In der letzten Botschaft wurde die Ministerpräsidentin wegen der Datenpanne verspottet: "Wenn sie nicht einmal ihren eigenen Twitter-Account schützen kann, wie will sie dann dieses Land beschützen?", hieß es.
In anderen Nachrichten wurde Yingluck etwa bezichtigt, nicht für das thailändische Volk zu arbeiten, sondern nur für ihre Unterstützer und Geldgeber. Außerdem wurde ihr Missmanagement nach verheerenden Fluten vorgeworfen, die mindestens 200 Menschen das Leben gekostet haben sollen.
Wer den Account der Politikerin übernommen hat, ist nicht klar. Das Ministerium für Information und Kommunikation habe Ermittlungen eingeleitet, sagte eine Regierungssprecherin. Twitter-Konten werden immer wieder geknackt. So erklärten Hacker mit Hilfe eines gekaperten Foxnews-Accounts US-Präsident Obama für tot. Der Twitter-Kanal des Fernsehsenders NBC wurde kurz vor dem 11. September für eine gefälschte Terrormeldung missbraucht.
In Thailand dürfte der Hack für weitere Diskussionen in einer ohnehin schon aufgeheizten politischen Debatte sorgen. Ministerpräsidentin Yingluck hat in ihrem Wahlkampf eine wahre Wundertüte an sozialen Wohltaten versprochen: Jeder Schüler soll einen PC bekommen, jeder Universitätsabsolvent mit Bachelor-Abschluss ein garantiertes Anfangsgehalt von 15.000 Baht, jedes Dorf eine Millionen-Finanzspritze. Außerdem soll der Mindestlohn in der freien Wirtschaft fast verdoppelt werden. Ob sie all das umsetzen kann, muss sich noch zeigen.
-------------------------------------------------------------------------------------
Gerade hat sie ihre Regierungsmannschaft vorgestellt. Bemerkenswert dabei: Fast zwei Drittel der 36 Kabinettsmitglieder sind Millionäre. Yingluck führt in der Liste ihrer Besitztümer, die thailändische Minister bei Antritt und Ausscheiden aus der Regierung abgeben müssen, unter anderem sieben Hermes-Taschen auf, die teuerste im Wert von über 8000 Euro, acht Autos - davon ein Porsche - sowie ein Haus mit eigenem Fußballplatz.
chs/dapd